Führung Büttenpapierfabrik Gmund am 23.11.2018

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Am Freitag, den 23.11.2018, fand eine Führung durch die Gmunder Büttenfabrik statt. Zwölf Personen bekamen hochinteressante Einblicke in die Herstellung von Büttenpaper durch einen ehemaligen Mitarbeiter, welcher über 40 Jahre dort tätig war.

Zu Beginn erzählte er einiges über die Gründung und Geschichte der Fabrik. Gegründet wurde sie im Jahre 1829 am Ufer der Mangfall. Mehrmals erlitten die Besitzer Rückschläge durch Brände und immer wieder wurde die Fabrik neu aufgebaut.

Zwei Maschinen sind im zweieinhalbwöchigen Wechsel in Betrieb. Während die eine produziert, befindet sich die andere in der Wartung. Die ältere und erste Papiermaschine ist seit 1886 in Betrieb, die „neue“ seit ca. 1930.

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Wurden früher „Hadern“, also alte Kleidung verarbeitet, stehen heute Zellstoff, welchen sie anliefern lassen, Rinde, Federn, Torf und Stroh zur Verfügung. Lumpen haben heute keine Bedeutung mehr, da sie teils aus Synthetik bestehen.

Aus den „Zutaten“ wird in einem großen Bottich mit viel Wasser, welches in der Firma nach einem Fertigungsvorgang mit Ozon gereinigt wird und bis zu siebenmal Verwendung findet, die Pulpe oder auch Maische hergestellt. Anschließend wird eine von den vielen Farben beigemischt.

Dann erfolgen die Fertigungsprozesse, wie Schöpfen, Herauspressen des Wassers, Trocknen und Glätten, welche zuvor eindrucksvoll durch Papierschöpfen per Hand gezeigt wurde. Die Maschine bewältigt die Arbeiten mit einer Vielzahl von Walzen, welche die gleichen eben aufgeführten Tätigkeiten ausführen.

Das Papier wird letztendlich auf eine große Spule gewickelt und wartet auf weitere Verarbeitung. Wieder durch Walzen können verschiedene Muster in das Papier geprägt werden, Oberflächen lackiert werden.

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Die Meterware wird je nach Auftrag zugeschnitten und verpackt. Zuvor wird aber jedes Blatt von einer Kontrollerin (für die Aufgabe finden sich keine Männer!) auf einen etwaigen Fehler geprüft.

Das Papier wird nun für Bucheinbände, hochwertige Verpackungen, z.B. für Pralinen und Sekt an weitere Verarbeitungsbetriebe geliefert.

Sogar für die Oscar-Verleihung in den USA wurde goldfarbenes Papier für Urkunde und den Umschlag aus der Gmunder Büttenpapier verwendet – bis es 2017 hieß: „America first“!

Abschließend konnten im Papiershop hochwertiges Briefpapier, geschmackvolle Glückwunschkarten und Notizblöcke bewundert und auch gekauft werden.

Jeder Besucher war überwältigt von der aufwendigen Produktion und eine Wertschätzung für hochwertiges Papier, um nicht zu sagen auch für jedes Papier, wurde spürbar.

Zu einem weiteren Ratsch und auch zu einer Vertiefung der Führung trafen sich die meisten Besucher im authentisch eingerichteten Café „Mangfallblau“ mit Kaffee und Kuchen.

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Text: Klara und Joe Wude