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Hier finden Sie abseits der Veranstaltungen weitere kulturelle Empfehlungen vom Kulturkreis Irschenberg.


Irschenberg – Vom Dorf zum begehrten Wirschaftsstandort

Neues Buchprojekt von Gisela Hennen

Foto Buchtitel
Foto Gisela Hennen zur Buchvorstellung

„Irschenberg – Vom Dorf zum begehrten Wirtschaftsstandort“ ist der Titel des neu erschienenen Buches von Gisela Hennen, die seit der Gründung des Kulturkreises Irschenberg im Jahr 2011 dem ehrenamtlichen Team angehört und in den ersten beiden Jahren als Vorsitzende agierte.

Es ist das inzwischen 4. Buch, das die ehemalige Realschuldirektorin an der Realschule in Bad Aibling (vorher stellvertretende Schulleiterin an der Realschule in Miesbach) geschrieben hat. Drei der vier Bücher hat sie ihrem Heimatort Irschenberg gewidmet:

„Irschenberg – Gemeinde- und Schulgeschichte“ erschien 2009, „Die Irschenberger im 1. Weltkrieg – Wenn endlich Frieden wäre“ hat die Autorin zum 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkriegs 2018 veröffentlicht. Dazwischen, im Jahr 2014 erschien ihr 2. Buch „Sich selber treu – sich selber fremd“, ein sehr persönlicher Rückblick an ihren 1943 im Krieg gefallenen Vater und dessen Briefe an seine Frau Maria, Mutter von Gisela Hennen.

Zu ihrem neuen, nun 4. Buch, das nicht nur für Irschenberger lesenswert ist, haben wir Gisela Hennen in einem Interview befragt:


Christine Neumann: Herzlichen Glückwunsch, auch im Namen des Kulturkreises, liebe Gisela Hennen zu Ihrem neuen Buch. Was hat Sie bewogen, zum Thema Wirtschaftsentwicklung in Irschenberg ein Buch zu schreiben?

Gisela Hennen: Was mich bewogen hat, zum Thema Wirtschaftsentwicklung Irschenbergs zu schreiben, war die Überlegung, dass dies ein wichtiges Thema sei, zumal der leider verstorbene Bürgermeister Hans Schönauer in den Gemeindenachrichten wiederholt darauf hingewiesen hatte, dass sich die Gemeinde dank der "Superbetriebe" mit ihrem hohen Gewerbesteueraufkommen konsequent nach oben entwickle.

C.N.: Ab wann haben Sie Ihr Vorhaben in die Tat umgesetzt und wie lange haben Sie an dem Werk gearbeitet?

G.H.: Am 29.01.20 besprach ich mein Vorhaben mit Irschenbergs Bürgermeister Klaus Meixner, und am 12.02.2020 legte ich ihm meinen Fragebogen mit einem zusätzlichen an die Unternehmer*innen gerichteten erklärenden Schreiben über meine Buchplanung sowie einen Erstentwurf für das von mir von Herrn Meixner gewünschte Begleitschreiben vor. Herr Meixner hat sofort dieses, mein Vorhaben unterstützende Empfehlungsschreiben verfasst, so dass ab da dieses "Paket" an die Unternehmer per E- Mail verschickt wurde. Das Buch wurde im November 2021 herausgebracht. Die Arbeitsdauer betrug also knapp zwei Jahre.

C.N.: Wie aus Ihrem Vorwort zu erfahren ist, war die Vorbereitung bedingt durch die Pandemie zeitaufwändiger. Wie haben Sie das alles bewältigt?

G.H.: Die im März 2020 einsetzenden pandemiebedingten Vorsichtsmaßnahmen, wie Maske, Abstand, Impfung usw., erschwerten den flüssigen Ablauf meines Vorhabens, denn die Sorge vor einer gegenseitigen Ansteckung mit der Konsequenz einer Quarantäne - unter Umständen auch von Firmenangehörigen - beeinträchtigten ein persönlich geführtes Interview oder eine Besichtigung der Gewerbeanlagen erheblich. Je nach persönlicher Einschätzung des Risikos reagierten die Unternehmer*innen unterschiedlich, mal schoben sie den angedachten Termin nach hinten, mal luden sie mich zeitnah zum Interview mit Maske – oder auch ohne - und auf Abstand ein.

C.N.: Die überwiegende Mehrheit der Gewerbetreibenden aus Irschenberg, denen Sie zunächst einen Fragebogen, zusammen mit dem bereits genannten Empfehlungsschreiben unseres Bürgermeisters, Klaus Meixner, sandten, hatte sich bereit erklärt, Angaben zu ihrem Unternehmen zu machen. Es gab aber auch Firmen, die kein Interesse hatten. Was waren hierfür die Hauptgründe?

G.H.: Nicht alle angeschriebenen Firmen waren zur Teilnahme am Buchprojekt bereit. Die Gründe waren unterschiedlich. Mal gab es persönlich aufwühlende Ereignisse, wie Schwangerschaft, Krankheit, Tod innerhalb der Familie, die zu bewältigen waren. Oder es herrschte die Stimmung vor, dass man in Pandemiezeiten so viel Arbeit und Sorge hätte, dass einem ein Interview, zumal wenn nach Daten gefragt wurde, lästig, weil zu arbeitsaufwendig, erschien. Es gab aber auch einen mir unverständlichen Fall: Ein bereits vollständig ausgearbeitetes Interview mit ausschließlich positiven Angaben wurde zurückgewiesen, weil die Kundschaft diese persönlichen Aussagen besser nicht wissen sollte, schade!

C.N: Viele der Unternehmen und Unternehmer*innen waren Ihnen mit Sicherheit bekannt. Gab es auch Firmen, von denen Sie bis dahin nichts wussten?

G.H.: Bei der Recherche traf ich wiederholt auf Firmen, von deren Existenz ich vorher nichts gewusst hatte. Ich war stets aufs Neue überrascht, wie viele gut laufende, nicht nur mittelständische, sondern auch international agierende Firmen sich in Irschenberg angesiedelt haben. Bei meinen Interviews traf ich ohne Ausnahme auf freundliche, aufgeschlossene und zum persönlichen Gedankenaustausch bereite Interviewpartner*innen. Mir haben diese Gespräche viel bedeutet.

C.N.: Ihr Buch ist in verschiedene Abschnitte aufgeteilt. Ein ausführlicher Teil ist der Autobahn gewidmet. Bekanntlich wurde die Autobahn in den Jahren 1934- 1936 als Reichsautobahn unter Adolf Hitler gebaut. Wie haben Sie hierüber recherchiert?

G.H.: Die Informationen über den Autobahnbau habe ich nahezu ausschließlich dem Miesbacher Anzeiger der Jahrgänge 1934 bis 1936 entnommen. Im Miesbacher Stadtarchiv konnte ich an einem eigenen Platz sitzend diese vielen dicken Zeitungsbände studieren, themabezogene Angaben abfotografieren oder Auszüge erstellen.

C.N.: In Teil II beschreiben Sie die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands seit dem Zweiten Weltkrieg und in Teil III bringen Sie einen Überblick über Bayerns Sonderweg vom Agrarland zum Hightech-Standort. Wie schwierig waren die Recherchen und vor allem eine Kurzfassung dieses komplexen Themas?

G.H.: Die Informationen zur wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands bzw. zu Bayern bezog ich aus verschiedenen Quellen. Vielfach stützte ich mich auf wissenschaftliche Arbeiten der Bundeszentrale für politische Bildung. Bereits in frühen Jahren meiner Berufstätigkeit als Lehrkraft für die Fächer Geschichte und Sozialkunde trat ich der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung- Landesverband Bayern bei, die sich zumal für die politische Bildung der Schüler einsetzt. So nahm ich früher an verschiedenen Fortbildungen in der Lehrerakademie in Dillingen oder auch an der Akademie für Politische Bildung in Tutzing teil. Mein Interesse an Politik, wozu auch die Wirtschaftspolitik gehört, war immer gegeben.

C.N.: Das Hauptthema des Buches ‚Irschenbergs wirtschaftliche Entwicklung‘ und ‚Die Wirtschaftszentren Irschenbergs‘ folgt auf mehr als 150 Seiten in Teil IV und V. Hierfür haben Sie zahlreiche Irschenberger Unternehmer und Unternehmerinnen über ihre Gründung, die Entwicklung und die Zukunftsperspektiven interviewt. Wie war das für Sie persönlich? War Ihnen das Meiste oder Vieles bereits bekannt oder haben Sie viel Neues erfahren und damit auch einen anderen Blickwinkel auf Irschenberg gewonnen?

G.H.: Sie fragen nach einem eventuell neuen Blickwinkel auf Irschenberg. Bei meinen Recherchen zu den Wirtschaftsunternehmen Irschenbergs habe ich die Erfahrung gemacht, dass zu einer erfolgreichen Geschäftsführung nicht unbedingt die bestens bestandene Meisterprüfung Voraussetzung ist, sondern vielmehr die Leidenschaft für dieses Berufsfeld ausschlaggebend ist. Ich bewundere den Mut und den Glauben an das eigene Können dieser Unternehmer*innen, ihren enormen Ehrgeiz und ihre Bereitschaft, zumindest in den Gründerjahren mit Herzblut an ihrem Vorhaben festzuhalten und es zu entwickeln.

C.N.: Zum Abschluss noch eine ganz persönliche Frage: Woher nehmen Sie diese Energie, um so arbeitsintensive Bücher zu schreiben?

G.H.: Woher ich die Energie nehme, so arbeitsintensive Bücher zu schreiben? Ganz einfach aus der Freude, die mir diese Tätigkeit macht. Ich brauche immer eine gewisse Herausforderung, und wenn ich die gefunden habe, bin ich motiviert und glücklich. Ergänzend möchte ich noch hinzufügen, dass mir die Unterstützung durch meine Familie sehr hilfreich war und auch der Wunsch bestand, meinem Heimatort Irschenberg, in dem ich seit 50 Jahren gerne lebe, ein Dankeschön zu sagen.

C.N.: Vielen Dank, Gisela Hennen, für das interessante Gespräch und alles Gute und weiterhin so viel Elan und Schaffenskraft.


Das Gespräch mit Gisela Hennen führte Christine Neumann vom Kulturkreis Irschenberg.

Das Buch ist zum Preis von € 38 über folgende Bezugsquellen erhältlich:

Buch am Markt in Miesbach

Gemeinde Irschenberg (Marlene Schelshorn)

Raiffeisenbank in Irschenberg

Direkt bei Gisela Hennen 08062 1764


Lesen Sie ergänzend dazu auch den Bericht im Miesbacher Merkur vom 10. Februar 2022 unter folgendem Link:

Interviews, Fakten und viele Anekdoten: Gisela Hennen skizziert Irschenbergs wirtschaftliche Entwicklung